Tausende trotzen der Kälte
Daniela Uecker schaut auf die digitale Uhr. Noch ein paar Sekunden. Sie hebt die Arme über den Kopf, eine Pistole in der Hand. Peng. Der Startschuss für den 26. Altstadtlauf ist gefallen. Zuerst machen sich die Familien auf den Weg, darunter auch die Patchworkfamilie Brockmann/ Meseth/ Pautzke.Die zwölfjährige Kim hatte sich die Teilnahme gewünscht. „Mir macht es Spaß mit den anderen zu laufen“, sagt sie.
Die Mutter hatte keine Wahl: „Ich bin gestern erst von einer Fortbildung gekommen und habe gehört, dass ich zum Familienlauf angemeldet bin“, erzählt sie und lacht. 865 Meter und ein paar Minuten später kommen alle Fünf gut ins Ziel. Auch Familie Engel ist mit drei Kindern unterwegs. Für die zweijährige Emilia ist es die erste Altstadtlaufteilnahme -allerdings bequem im Kinderwagen. „Nach dem Frühstück haben wir uns entschieden, doch mitzulaufen, weil es nicht regnet“, sagt Mutter Susanne Engel.

Unangenehm ist es trotzdem draußen: Das Thermometer zeigt nur sieben Grad Celsius, ein kalter Wind pfeift über den Stephansplatz. Während die Sportler sich wenigstens warmlaufen können stehen Christa Dannemayer und Bernhard Lang tapfer in neongelben Westen am Fischmarkt. Stundenlang hindern sie Autos daran, in die Tiefgarage zu fahren, wenn Läufer vorbeikommen. Doch die beiden Streckenposten sind gut ausgerüstet. „Ich bin warm angezogen“, sagt Christa Dannemayer vom Narrenverein Seewölfe. Bernhard Lang freut sich über den kostenlosen heißen Tee eines Restaurants am Fischmarkt. Auch andere Narrenvereine und der veranstaltende TV Konstanz sorgen für den reibungslosen Ablauf des Sportfestes. Sie haben die Strecke abgesperrt, stellen Getränke bereit und animieren die Läufer vor dem Start. Neben den Familien, den Bambini, zahlreichen Schülern und Jugendlichen sind gestern Nachmittag auch Firmenteams und Senioren auf die Strecke gegangen. Die Teilnehmer des Hauptlaufs legten mit über acht Kilometer die größte Distanz zurück. Hauptorganisator Günter Regele ist zufrieden. Nur zwei kleine Stürze beschäftigten die Malteser, keine spontane Baustelle sorgte für Ärger wie im vergangenen Jahr. Gestern Abend fiel die Spannung von Günter Regele ab. Wie lange er noch Regie führt, weiß er nicht. „ Im Jahr 2012 feiert der TV Konstanz seinen 150. Geburtstag“ so Regele. „ Dann bin ich 70. Das wäre doch ein guter Schlusspunkt.“ Immer wieder wünschen sich Teilnehmer, dass auch er einmal mitläuft. „ Ich habe Probleme mit den Bandscheiben, bin aber neulich eine Viertelstunde gelaufen“ sagte der 68-Jährige. „Vielleicht mache ich nächstes Jahr beim Familienlauf mit, als Überraschungsgast.“
Es bleibt ein lauf für Konstanzer
Herr Regele, Sie hatten wieder über 3000 Teilnehmer. Soll der Altstadtlauf noch größer werden?
Nein. Wir möchten die Qualität verbessern, nicht die Quantität. Die Atmosphäre soll persönlich bleiben, die 125 Helfer arbeiten unentgeltlich. Wir möchten auch das Startgeld nicht erhöhen. Es gibt zwar Anfragen von Kenianern, ob sie mitlaufen können. Das dürfen sie natürlich, aber wir bezahlen weder Fahrt- noch Startgeld. Es soll ein Lauf für Konstanzer bleiben.
Welche Neuerungen wird es 2011 geben?
Der Meldeschluss wird nach vorne verlegt, damit wir rechtzeitig alle Daten haben und jeder mit seinem Namen auf der Startnummer laufen kann. Außerdem bekommt jeder der seine Handynummer angibt, direkt nach dem Zieleinlauf eine SMS mit seiner Zeit. Und wir machen vielleicht in den Schulen mehr Werbung. Bei den über 16-Jährigen lässt das Interesse nach. Dafür melden sich jedes Jahr mehr Bambini an. Wenn ich die Kleinen laufen sehe, hast sich alle Mühe gelohnt.
Quelle: Südkurier, 18.10.2010